Die Rache einer betrogenen Frau


Am ersten Tag packte sie alle ihre Sachen in Kartons, Kisten und Koffer.
Am zweiten Tag hatte sie den Spediteur bestellt, der ihre Sachen abholte.
Am dritten Tag setzte sie sich zum letzten Mal bei Kerzenschein in ihren herrlichen Salon, legte gute Musik auf und feierte allein ein kleines Fest mit einem Pfund Shrimps, einem Glas Kaviar und einer Flasche Champagner.

Als sie ihr Mahl beendet hatte, ging sie noch einmal durch alle Räume und versteckte ein halbes Shrimp, dass sie vorher in Kaviar getaucht hatte, in jede Öffnung der Gardinenstangen. Dann säuberte sie noch die Küche und verliess das Haus.

Als ihr Ehemann mit seiner neuen Freundin zurückkehrte, hatten sie die ersten Tage viel Spass miteinander. Aber langsam fing das Haus an zu riechen.
Sie versuchten alles, sie säuberten und lüfteten das ganze Haus.
Öffnungen wurden untersucht nach verendeten Insekten, Teppiche wurden mit Dampf behandelt. Duftspender wurden überall im Haus aufgehängt. Insektenvertilger vergasten das ganze Haus und sie mussten für ein paar Tage eine andere Bleibe suchen und sie bezahlten sogar für das Auswechseln der teuren Auslegware in allen Räumen.
Aber nichts half.

Bekannte kamen nicht mehr auf Besuch. Handwerker weigerten sich in dem Haus zu arbeiten. Die Haushaltshilfe kündigte. Endlich, als sie den Geruch nicht mehr ertragen konnten, entschlossen sie sich umzuziehen. Einen Monat später, sie hatten sogar den Preis für das Haus halbiert, aber sie konnten keinen Käufer für ihr Haus finden. Die Geschichte wurde stadtbekannt und die Makler weigerten sich Telefonanrufe zu beantworten.

Letzlich mussten sie einen hohen Kredit aufnehmen um sich eine neue Bleibe zu kaufen. Eines Tages rief seine Ex-Frau an und erkundigte sich, wie es ihm denn ginge. Er erzählte ihr den Albtraum mit dem Haus. Sie hörte geduldig zu und sagte dann sie würde das Haus sehr vermissen und würde sich gerne mit ihm über die Scheidungskosten unterhalten und auf einiges verzichten, wenn sie dafür das Haus bekommen könnte. Da er glaubte, seine Ex-Frau hätte keine Ahnung von dem Gestank im Haus, willigte er für ein Zehntel des Kaufpreises ein, aber nur wenn sie noch heute die Verträge unterzeichnen würden. Sie war einverstanden und innerhalb einer Stunde hatte sein Anwalt die Verträge vorgelegt, die sie unterschrieb.

Eine Woche später stand der Mann mit seiner Freundin vor dem verkauften Haus und sie lächelten als sie zusahen, wie der Spediteur alle ihre Sachen einpackte um sie zu ihrem neuen Haus zu bringen
.......... inklusive der Gardinenstangen !!!!!!!!!

Der Häuptling mit dem Halbmond
Ein Märchen aus Südafrika


Es war einmal ein Häuptling, der von Geburt an mitten auf der Brust einen Halbmond trug. Dieser Häuptling hatte zwei Frauen. Der älteren von beiden waren zwei Söhne geboren worden, von denen aber keiner den Halbmond mitbekommen hatte. Die jüngere Häuptlingsfrau hatte zu der Zeit noch keine Kinder, und so liebte der Häuptling die ältere wegen ihrer Söhne mehr. Kurze Zeit später aber wurde die jüngere Frau ebenfalls schwanger. Am Tag ihrer Niederkunft rief sie die ältere Frau zu Hilfe. Das Kind wurde geboren, es war ein Sohn, und mit Überraschung und Eifersucht entdeckte die ältere Frau mitten auf seiner Brust den Halbmond. Als die jüngere Frau einen Augenblick unaufmerksam war, nahm die ältere, krank vor Eifersucht, das Kind rasch an sich, lief damit zum Viehkraal, wo eine Hündin ein paar Tage zuvor geworfen hatte, und nahm einen der Welpen. Das Neugeborene versteckte sie in einem großen Biergefäß in der Hütte und legte den Welpen neben die Mutter. Dann rüttelte sie die Mutter wach und zeigte auf den Hund. "Sieh nur", rief sie, "sieh, was du geboren hast!" Als die junge Mutter den Welpen sah, war sie zutiefst beschämt und traurig, denn sie wusste ja nicht, was geschehen war. Nach einer Weile wollte die ältere Frau das Neugeborene aus dem Biergefäß nehmen, um es zu töten, aber zu ihrem großen Erstaunen musste sie feststellen: Das Kind war verschwunden! Eine kleine Ratte hatte nämlich alles beobachtet und das Kind heimlich in ihr Loch gebracht. Die ältere Frau lief nun zu ihrem Mann und berichtete ihm: "Die Jüngere hat einen Hund geboren." Der Häuptling war wütend und sagte: "Geh, ich möchte so etwas gar nicht sehen, geh und bring das Tier sofort um." Da brachte die Frau den Welpen in den Viehkraal zurück. Von jetzt an behandelte der Häuptling seine jüngere Frau roh, gab ihr böse Worte und hielt ihr vor, dass sie ein Ungeheuer zur Welt gebracht habe. Folglich schenkte er ihr auch nichts mehr, sondern sagte, dass sie sich in Zukunft an ihren Vater halten solle, wenn sie etwas brauche. Die kleine Ratte aber brachte das Kind jede Nacht heimlich zu seiner Mutter, damit sie es säugen konnte, und das tröstete die arme Frau sehr. Eines Tages, als niemand da war, ging die ältere Frau in die Hütte der jüngeren und beobachtete, wie die kleine Ratte mit dem Kind spielte. Unruhig geworden, ersann sie eine List. Als der Häuptling nach Hause kam, gab sie vor, krank zu sein, und auf die Frage ihres Mannes, was ihr denn fehle, erwiderte sie: "Ich habe heute den Medizinmann kommen lassen, und der hat geweissagt, dass du die Hütte der jüngeren Frau niederbrennen musst, wenn ich mich je wieder erholen soll." Der Häuptling, der die ältere Frau liebte, war damit einverstanden, und am nächsten Morgen wurde die Hütte der Jüngeren bis auf den Grund niedergebrannt. Aber die kleine Ratte hatte mitgehört, was geschehen sollte, und das Kind schnell im Viehkraal in Sicherheit gebracht.
Als die ältere Frau später einmal durch den Viehkraal ging, beobachtete sie erneut, wie die kleine Ratte mit dem Kind spielte. Auch diesmal stellte sie sich krank und erzählte ihrem Mann, dass der Medizinmann geraten hatte, den Viehkraal zu zerstören, weil sie sonst ganz bestimmt sterben müsse. Der Häuptling gab den Befehl, den Viehkraal niederzubrennen. Aber die kleine Ratte hatte gelauscht und war mit ihrem kleinen Freund heimlich in das Dorf eines benachbarten Häuptlings geflohen. Dort brachte sie das Kind in einer Gästehütte unter, in der es aufwuchs. Jahre später wohnten einmal zwei Besucher in der Hütte und sahen mitten auf der Brust des Jungen, der inzwischen herangewachsen war, den Halbmond. "Woher kommst du?" fragten sie ihn erstaunt. Der Junge, der seine Geschichte von der kleinen Ratte erfahren hatte, nannte den Männern den Namen seines Vaters. "Und was tust du hier?" wollten die Männer wissen. Da erzählte ihnen der Junge, was ihm seit seiner Geburt widerfahren war. Voller Staunen über das, was sie erfahren hatten, versprachen die Männer, dem Vater des Jungen schon am nächsten Morgen vom Aufenthaltsort seines Sohnes zu berichten. Aber aus Furcht davor, dass die ältere Frau versuchen würde, ihn zu töten, ließ sich der Junge versichern, dass die Männer niemandem außer seinem Vater das Versteck verraten würden. Der alte Häuptling konnte sich kaum fassen, als er die Neuigkeit gehört hatte. "Seid ihr sicher, dass es mein Sohn ist?" fragte er. "Ganz sicher", antworteten die Männer, "er hat den gleichen Halbmond auf der Brust wie du." Sofort rief der Häuptling seine ältere Frau zu sich und befahl ihr, viel Bier brauen zu lassen. Er selbst begab sich am Abend in das Dorf, wo sich sein Sohn versteckt hielt, und als er den Halbmond sah, war er endgültig beruhigt und lauschte schweigend der Geschichte, die sein Sohn zu erzählen hatte. "Bleib heute Nacht noch hier, morgen werde ich nach dir schicken", sagte er. Als er wieder in seinem Dorf angelangt war, rief der alte Häuptling zwei Boten. Dem einen gab er ein Löwenfell und hieß ihn den Sohn holen. Den anderen sandte er zu dem wichtigsten Unterhäuptling und ließ ihm ausrichten, dass er alle seine Leute versammeln solle und zusammen mit ihnen morgen im Hauptdorf erscheinen möge. Der Sohn wurde nach seiner Ankunft heimlich in eine Hütte gebracht, und als alle Leute versammelt waren, befahl der Häuptling, das Bier zu bringen. Und während alle tranken und sich fragten, was wohl geschehen würde, holte der alte Häuptling seinen Sohn, der unter einem Löwenfell verborgen war, aus der Hütte. Er setzte ihn vor die Versammelten und ließ sich dicht daneben nieder. Nach einer kleinen Weile erhob er sich, nahm das Löwenfell weg und enthüllte für alle sichtbar seinen Sohn mit dem Halbmond auf der Brust. Die Leute gerieten vor Überraschung außer sich. Dann wandte er sich an seine ältere Frau mit der Frage: "Woher kommt dieser Sohn?" Die Frau gab keine Antwort, sie schlug nur die Augen nieder. Der Häuptling sah, dass sie schuldig war, und sagte: "Geh, du Elende, nimm deine Söhne und alle deine Sachen und verschwinde für immer aus diesem Dorf." Dann wandte er sich an seine Leute und sprach: "Hier ist euer Häuptling. Nicht ich werde von heute an Häuptling sein, sondern mein Sohn. Er nimmt meinen Platz ein. Ihr müsst ihn ehren, wie ihr mich geehrt habt." Großer Jubel brach aus. Es wurde viel Vieh geschlachtet, und jedermann aß und trank und erwies dem neuen Häuptling die Ehre.
Zwei listige Freunde
Ein Märchen aus Kamerun


Fledermaus und Ratte waren gute Freunde, aber beide viel zu arm, als dass sie sich Frauen hätten kaufen können. Nun besaß der Elefant eine Tochter, die jedes von den Tieren gern zur Frau genommen hätte, wäre sie nur nicht so teuer gewesen. Da versprach die Ratte, der Fledermaus zu helfen, die Elefantentochter zur Frau zu bekommen. Sie grub einen unterirdischen Gang bis zu der Stelle, wo man den Vater der Fledermaus begraben hatte. Dort versteckte sie sich und gab der Fledermaus den Auftrag: "Ruf alle Tiere, sie sollen sich am Grab deines Vaters versammeln. Dann forderst du den Elefanten auf, dir seine Tochter zur Frau zu geben. Weigert er sich, rufst du deinen Vater - in Wirklichkeit natürlich mich - zum Zeugen an, dass er dem Elefanten das Mädchen schon bezahlt hätte, und dass sie nur deshalb noch bei ihm sei, weil dein Vater gestorben wäre. Also frag den Elefanten, und wenn er seine Tochter nicht herausgeben will, werde ich mit ihm reden. Gibt er nicht zu, dass ich seine Tochter schon bezahlt hatte, fordere ich ihn auf, das hier vor uns allen zu bezeugen." Als sich nun alle Tiere am Grab des Vaters der Fledermaus eingefunden hatten, schüttelte sich die Ratte heftig in ihrem Loch und rief dann dem Elefanten drohend zu: "Gib meinem Sohn die Frau. Solltest du dich weigern, werde ich herauskommen!" Da fürchteten sich der Elefant und die anderen Tiere gewaltig, und der Elefant gab seine Tochter heraus. So verhalf die Ratte der Fledermaus zu einer Frau. Der Elefant hatte aber noch eine zweite Tochter. Nun dachte die Fledermaus: 'Hat mein Freund mir eine Frau verschafft, muss ich ihm ebenfalls zu einer verhelfen.' Sie schlug darum dem Elefanten vor, alle Tiere zu einem Wettkampf einzuladen. Jeder sollte versuchen, einen Stein an das gegenüberliegende Ufer des Flusses zu werfen. Die Tiere kamen zusammen, und der Elefant verkündete: "Wem es gelingt, einen Stein auf die andere Seite des Flusses zu werfen, der soll meine zweite Tochter heiraten." Da bemühten sich die Tiere eines nach dem anderen, aber kein Stein flog bis ans gegenüberliegende Ufer. Nun bat die Fledermaus ihren Schwiegervater: "Ruf doch die Ratte, damit auch sie es versucht." Da rief der Elefant die Ratte und schickte die Fledermaus, Palmwein aus seinem Haus zu holen, den wollte der Elefant mit seinen Freunden trinken. Die Ratte nahm Aufstellung, um ihren Stein zu werfen. Unbemerkt von den anderen aber schlüpfte ihr die Fledermaus in die Achselhöhle, und als die Ratte ihren Wurf tat, flog die Fledermaus bis ans gegenüberliegende Ufer. Wenig später brachte sie dem Elefanten den Palmwein und bemerkte: "Hatte ich nicht gesagt, dass du die Ratte rufen sollst?" Der Elefant hielt Wort und gab seine zweite Tochter der Ratte zur Frau. Und so hatte auch die Fledermaus ihrem Freund zu einer Frau verholfen.
Paramys


Paramys war die Stammmutter oder der Stammvater aller Nagetiere und lebte im Paleozän, vor 54 Millionen Jahren. Er besass bereits einen langen buschigen Schwanz und sein Körperbau glich schon dem des heutigen Eichhörnchens. Die Wissenschaft sagt, dass Paramys und die Primaten von den Insektenfressern abzuleiten seien, jenen frühen Säugetieren aus der jüngsten Kreidezeit. Das aber hiesse nichts anderes, als das Ratte und Mensch vor 70 Millionen Jahren überhaupt noch nicht getrennt waren! Vor 70 Millionen Jahren flitzten wir zwei noch als leibhaftige Geschwister um die Säulenbeine der letzten Dinosaurier!
Wie die Beutelratte den Nachstellungen des Jaguars entging
Ein Märchen aus Brasilien


Der Jaguar war anscheinend ein Feinschmecker, der Beutelratten als ganz besonderen Leckerbissen schätzte. Jedenfalls gab er sich grosse Mühe, eine zu erwischen. Zuerst säuberte er den Weg, den die Beutelratte benutzte, sogfältig von Dornen und legte eine Falle aus. Aber die Beutelratte blieb auf der Hut und bat den Jaguar höflich voranzugehen. Dabei stiess er an die Falle - die Beutelratte war gewarnt und lief davon. Im heissen Sommer lauerte der Jaguar der Beutelratte am Fluss auf. Geduldig wartete sie, bis eine Frau mit einem Topf voll Honig vorbeiging. Dreimal legte sie sich, mausetot, wie es schien, der Frau in den Weg. Beim dritten Mal stutze diese und dachte:" Hätte ich die beiden anderen mitgenommen, so hätte ich jetzt schon drei." Sie stellte den Honigtopf ab und ging zurück, um die beiden anderen zu holen. Die Beutelratte wälzte sich erst im Honig, dann in grünen Blättern und eilte zum Fluss, um endlich ihren Durst zu stillen. Der Jaguar erkannte sie erst, als sie wieder aus dem Wasser kam, das die Blätter abgespült hatte. Aber er konnte sie nicht mehr erwischen. Beim nächsten Mal machte die Beutelratte ein Loch in den Stamm eines Gummibaums, rieb sich mit dem Saft ein und wälzte sich im trockenen Laub. Misstrauisch musterte der Jaguar das seltsame Geschöpf:" Wer bist Du?" - "Ich bin das Trockene-Blätter-Tier", antwortete die Beutelratte, und der Jaguar glaubte ihr, denn diesmal blieben die Blätter haften. Als der Jaguar merkte, dass er die kluge Beutelratte nicht fangen konnte, stellte er sich tot. Alle Tiere zogen zu seiner Höhle und jubelten. Auch die Beutelratte kam, hielt sich aber weit im Hintergrund. "Hat er schon geniest?" fragte sie. "Nein", erwiderten die anderen Tiere, "noch nicht." - "Mein Grossvater hat dreimal geniest", erklärte die Beutelratte, "als er gestorben war." Sofort nieste der angeblich Tote, genau dreimal. Die Beutelratte aber lachte, bis ihr die Tränen kamen. "Habt ihr schon jemals einen Toten niesen gehört?" fragte sie. Und bis heute ist es dem Jaguar nicht gelungen, sie zu ewischen. Denn die Beutelratte ist viel zu schlau für ihn.
Der Welpe


In einer Tierhandlung war ein grosses Schild zu lesen, auf dem stand: "Welpen zu verkaufen". Ein kleiner Junge kam vorbei und sah das Schild. Da der Ladenbesitzer gerade an der Tür stand, fragte er ihn: "Was kosten die Hundebabys?" - "Zwischen 50 und 80 Euro" sagte der Mann. Der kleine Junge griff in seine Hosentasche und zog ein paar Münzen heraus. "ich habe 7 Euro und 65 Cents", sagte er, "darf ich sie mir bitte anschauen?" Der Ladenbesitzer lächelte und pfiff nach seiner Hündin. Fünf kleine Hundewelpen stolperten hinter ihr her. Einer von ihnen war deutlich langsamer und humpelte auffällig. "Was hat der Kleine dahinten?" fragte der Junge. Der Ladenbesitzer erklärte ihm, dass der Welpe einen Geburtsschaden hatte und nie richtig laufen würde. "Den möchte ich kaufen", sagte der Junge. "Also den würde ich nicht nehmen, der wird nie ganz gesund", antwortete der Mann, "aber wenn du ihn unbedingt willst, schenke ich ihn dir." Da wurde der kleine Junge sehr wütend. Er blickte dem Mann in die Augen und sagte: "Ich möchte ihn nicht geschenkt haben. Dieser kleine Hund ist jeden Cent wert, genau wie die anderen auch. Ich gebe Ihnen meine 7.65 EUR und werde jede Woche einen Euro bringen, bis er abbezahlt ist." Der Mann entgegnete nur: "Ich würde ihn wirklich nicht kaufen - er wird niemals in der Lage sein, mit dir zu rennen und zu toben wie die anderen." Da hob der Junge sein Hosenbein und sichtbar wurde eine Metallschiene, sie sein verkrüppeltes Bein stützte. Liebevoll auf den Hund blickend sagte er: "Ach, ich renne selbst auch nicht gut. Und dieser kleine Hund wird jemanden brauchen, er ihn versteht."

Johannes Weimer
Liebe kleine Ratte
schwedisches Volksmärchen



Es lebte einmal ein König, der hatte drei Söhne. Der Älteste war dick und gierig und so böse, dass er mit seinem Stock den Blumen die Köpfe abschlug.
Der zweite Sohn war lang und dünn wie eine Bohnenstange; auch er gönnte keinem etwas Gutes ausser sich selbst.
Der Jüngste aber, der war freundlich zu jedermann, und ebenso zu Pflanzen und Tieren. Darum nannten ihn seine Brüder den „Dummling“.
Einmal rief der König alle drei zu sich: „Liebe Söhne! Ihr seid nun erwachsen und es wird Zeit für euch zu heiraten. Darum geht in die Welt hinaus und sucht euch eine Braut. Und zum Zeichen, dass eure Braut gut weben kann, bringt mir ein Tischtuch, das sie selber gewebt hat.“ Die drei Brüder ritten zusammen fort. Am Abend gelangten sie in einem tiefen Wald. Da fielen die beiden älteren Brüder über den Jüngsten her. Sie nahmen ihm alles weg – das Pferd, die Kleider und das Geld – und ritten weiter. Da war der Jüngste ganz allein in dem dunklen Wald. Was sollte er nun tun? Wo konnte er hin? Auf einmal raschelt es neben ihm im Gebüsch, und – rische, rusche – huscht eine kleine graue Ratte hervor und schaut den Königssohn an. „Warum bist du traurig, lieber Prinz? Komm mit mir in meine Höhle! Willst du essen, so iss, willst du trinken, so trink, willst du sitzen, so sitz, willst du schlafen, so schlaf.“ Da folgt der Königssohn der kleinen Ratte in ihre Höhle und bleibt bei ihr. Die Rattte ist lieb und gut zu ihm, sie gibt ihm zu essen und zu trinken, einen Stuhl zum Sitzen und ein Bett zum Schlafen. Am nächsten Tag spricht sie zu ihm: „Lieber Prinz, nun höre wohl, was ich dir sage, und merke es dir gut: Jeden Morgen sollst du von dem Haselstrauch vor meiner Höhle ein Zweiglein abschneiden, jeden Tag ein Zweiglein, aber niemals mehr als ein einziges. Und alle Zweiglein sollst du zusammenlegen.“ Der Königssohn verspricht es und tut, was die Ratte gesagt hat. Jeden Morgen schneidet er ein Zweiglein ab von dem Haselstrauch vor der Höhle und legt es zu den anderen. So vergeht ein Jahr. Es wird Zeit für den Königssohn, zum Vater heimzukehren. „Liebe kleine Ratte, der Vater schickte mich in die Welt hinaus, mir eine Braut zu suchen. Nun bin ich schon ein Jahr bei dir und du warst immer gut zu mir. Willst du meine liebe Braut sein?“ Da freut sich die Ratte. „Ja, gern! Von ganzem Herzen gern will ich deine Braut sein.“ „ Dann musst du mir ein Tischtuch geben, das du selber gewebt hast. Ich soll es dem Vater bringen.“ Die Ratte huscht fort, und gleich darauf ist sie wieder da und gibt dem Königssohn ein fein gefaltetes Tuch. Als der Königssohn nach Hause kommt, sind die Brüder schon da. Der Älteste hat ein Tuch mitgebracht, das ist ganz voller Knoten. Seine Braut war ungeduldig und immer wieder war ihr der Faden gerissen. Die Braut des zweiten Bruders war ein Schmutzfink. Sein Tischtuch sieht aus wie ein Topflappen, den man ein halbes Jahr nicht gewaschen hat. Nun breitet der Jüngste sein Tuch aus: Es schimmert weisser als Schnee, und Bäume, Blumen und Tiere sind kunstvoll hineingewebt. Ein prächtigeres Tischtuch gibt es nicht in drei Königreichen! Nach einiger Zeit schickte der alte König seine Söhne wieder aus. „Und wenn ihr diesmal wieder heimkommt, bringt einen Kuchen mit, den eure Braut selber gebacken hat.“ Die drei Brüder ritten fort. Sie nahmen den gleichen Weg, und in dem dunklen Wald nahmen die Ältern dem Jüngsten wieder alles fort und liessen ihn allein. Doch – rische, rusche – da ist die kleine graue Ratte wieder da. Sie hat schon auf den Königssohn gewartet. „Warum bist du traurig, lieber Prinz? Komm mit mir in meine Höhle! Willst du essen, so iss, willst du trinken, so trink, willst du sitzen, so sitz, willst du schlafen, so schlaf.“ Der Königssohn folgt ihr und gerne bleibt er bei ihr, der kleinen Ratte. Am nächsten Tag gibt sie ihm ein Bündel roter Fäden. „Mein lieber Prinz, nun höre wohl, was ich dir sage, und merke es dir gut: Jeden Morgen sollst du einen roten Faden nehmen und ihn um eines der Zweiglein binden, die du abgeschnitten hast. Jeden Tag, aber niemals mehr als einen einzigen Faden um einen einzigen Zweig. Und alle gebundenen Zweiglein sollst du zusammenlegen.“ Sorgfältig verrichtet der Prinz jeden Morgen seine Arbeit, und die Ratte ist immer gleich freundlich zu ihm. So vergeht wiederum ein Jahr. „Liebe kleine Ratte, ich muss nun wieder heim zum Vater. Bist du noch meine liebe Braut?“ „Von Herzen gern will ich deine Braut sein!“ „Dann gib mir einen Kuchen, den du selber gebacken hast. Den muss ich dem Vater bringen.“ Die kleine Ratte huscht in ihre Küche und holt einen Kuchen. Den schlägt sie in ein Tüchlein ein und gibt ihn dem Königssohn. Als der Königssohn im väterlichen Schloss ankommt, ist er wieder der letzte. Die beiden Brüder sind schon da. Der Älteste hat einen Kuchen mitgebracht, der war schwarz wie Kohle. Seine Braut hatte ihn verbrennen lassen. Der Kuchen des zweiten Sohnes war steinhart – seine Braut hatte die Hefe vergessen – und der alte König hat sich seinen letzten Zahn daran abgebrochen. Nun packt der Jüngste seinen Kuchen aus, und das ganze Zimmer duftet nach Butter und Zimt! Schnell ist der Kuchen aufgegessen, denn so etwas Gutes hatte noch niemand bekommen. Nach kurzer Zeit schon versammelte der alte König wiederum seine drei Söhne: „Nun sollt ihr ausziehen und jeder soll seine Braut heimholen. Dann wollen wir fröhliche Hochzeit feiern.“ Und wieder ritten die drei Brüder zusammen fort, und im dunklen Wald nahmen die beiden Älteren dem Jüngsten alles weg und ritten davon. Doch – rische, rusche – schon läuft die kleine graue Ratte herbei. „Warum bist du traurig, lieber Prinz? Komm mit mir in meine Höhle! Willst du essen, so iss, willst du trinken, so trink, willst du sitzen, so sitz, willst du schlafen, so schlaf.“ Und der Königssohn geht mir ihr. Doch diesmal gibt die Ratte ihm keine Arbeit, sie ist nur noch liebevoller und freundlicher zu ihm. Der Königssohn aber wird immer trauriger. „Was ist mit dir, lieber Prinz? Warum bist du gar nicht mehr fröhlich?“ „Ach, diesmal sollen wir unsere Braut heimholen, und meine Brüder haben richtige Menschenfrauen als Braut, aber du, – du bist doch nur eine kleine graue Ratte.“ Da lässt die kleine Ratte den Kopf hängen. „Ich war gut zu dir, als du allein warst.“ Dem Königssohn tun seine Worte schon bitter leid. „Verzeih mir, liebe kleine Ratte, du bist ja meine liebe Braut! Dich nehme ich mit zu meinem Vater! Sollen meine Brüder doch lachen, du bist meine Braut.“ „Dann musst du erst noch etwas für mich tun: Nimm die Zweige mit den roten Bändern, die du geschnitten und gebunden hast, lege sie zusammen zu einem Scheiterhaufen und zünde ihn an. Und wenn du in dem Feuer etwas siehst, dann rette es ohne Furcht.“ Der Königssohn tut, was die Ratte gesagt hat. Er schichtet die Zweige zu einem grossen Scheiterhaufen zusammen. Den zündet er an. Als die Flammen hoch auflodern, sieht er plötzlich mitten im Feuer ein Mädchen. Furchtlos springt er hinzu und reisst sie aus den Flammen heraus. Er hält das Mädchen in seinen Armen und das Feuer fällt in sich zusammen. Oh, wie schön sie ist! Etwas Schöneres hat er noch nie gesehen! Sie lächelt ihn an: „Ich war die kleine graue Ratte. Eine Trollalte hatte mich verzaubert, und ich konnte nur erlöst werden, wenn jemand mich in der Rattengestalt lieb gewann und sein Leben für mich wagte.“ Wie glücklich und dankbar war da der Königssohn! Er küsste seine Rattenprinzessin, und dann fuhren sie nach Hause. Die beiden Brüder waren schon da mit ihren Bräuten. Doch, oh weh! Wie sahen die aus! Die Braut des Ältesten war doppelt so dick wie er selbst, und – knack und plumps – hatte sie bald alle Stühle und Sessel im Schloss zerbrochen. Der zweite Bruder hatte sich eine ausgesucht, die war auch so dünn wie eine Bohnenstange wie er und so lang, dass sie grüne und blaue Flecken auf der Stirn hatte, weil sie immer an den Türrahmen stiess. Der jüngste Königssohn aber blieb mit seiner Braut nicht lange im Schloss. Er hob seinen alten Vater in die Kutsche und nahm ihn mit auf die Burg seiner Rattenprinzessin. Dort feierten sie die fröhlichste Hochzeit, die man sich denken kann. Und alle Leute im ganzen Land freuten sich und feierten mit. Dann lebten und regierten sie viele Jahre in Glück und Frieden.

Der Gartenzaun


Einst war einmal ein Junge mit einem sehr schwierigen Charakter. Sein Vater gab ihm einen Beutel voll mit Nägeln und bat ihn, jedesmal dann einen Nagel in den Gartenzaun zu schlagen, wenn er seine Geduld verliert und/oder mit jemandem in Streit geraten ist. Am ersten Tag schlug der Junge 37 Nägel in den Gartenzaun. In den folgenden Wochen lernte der Junge, sich zu beherrschen und die Zahl der Nägel, die er in den Zaun schlug, wurde immer weniger. Der Junge merkte, dass es einfacher ist, sich zu beherrschen, als Nägel in den Zaun zu hämmern. Schliesslich kommt der Tag, an dem der Junge keinen Nagel in den Gartenzaun schlägt. Er geht zu seinem Vater und erklärt ihm, dass er heute keinen Nagel in den Gartenzaun geschlagen hat. Da sagte sein Vater zu ihm, er soll jeden Tag wieder einen Nagel aus dem Zaun entfernen, an dem er sein Temperament erfolgreich unter Kontrolle halten kann. Viele Tage vergingen, bis der Junge seinem Vater erzählen kann, dass er alle Nägel aus dem Zaun gezogen hat. Der Vater geht mit seinen Sohn zu dem Zaun und erklärt ihm:„Mein Sohn, du hast dich in letzter Zeit gut benommen, aber schau, wie viele Löcher, du in dem Zaun hinterlassen hast.“ Es wir nie mehr das gleiche sein. Jedesmal, wenn du Streit mit jemandem hast und ihn beleidigst, bleiben Wunden wie diese Löcher im Zaun. Immer dann, wenn du jemanden mit einem Messer stichst und es wieder herausziehst, bleibt jedesmal eine Wunde. Ganz egal, wie oft du dich entschuldigst, die Wunde wird bleiben. Eine Wunde, die du durch Worte erzeugst tut genauso weh, wie eine körperliche Wunde.
Der Zug des Lebens


Das Leben ist wie eine Reise im Zug:

Man steigt oft ein und aus, es gibt Unfälle, bei manchen Aufenthalten angenehme Überraschungen und tiefe Traurigkeit bei anderen. Wenn wir geboren werden und in den Zug einsteigen, treffen wir Menschen, von denen wir gauben, dass sie uns während unserer ganzen Reise begleiten werden: unsere Eltern. Leider ist die Wahrheit eine andere. Sie steigen bei einer Station aus und lassen uns ohne ihre Liebe und Zuneigung, ohne ihre Freundschaft und Gesellschaft zurück. Allerdings steigen andere Personen, die für uns sehr wichtig werden, in den Zug ein. Es sind unsere Geschwister, unsere Freunde und diese wunderbaren Menschen, die wir lieben. Manche dieser Personen die einsteigen, betrachten die Reise als kleinen Spaziergang. Andere finden nur Traurigkeit auf ihrer Reise. Und es gibt wieder andere im Zug, die immer da und bereit sind, denen zu helfen, die es brauchen. Manche hinterlassen beim Aussteigen eine immerwährende Sehnsucht... Manche steigen ein, und wieder aus, und wir haben sie kaum bemerkt... Es erstaunt uns, dass manche der Passagiere, die wir am liebsten haben, sich in einen anderen Wagon setzen und uns die Reise in diesem Abschnitt alleine machen lassen. Selbstverständlich lassen wir uns nicht davon abhalten, die Mühe auf uns zu nehmen, sie zu suchen und uns zu ihrem Wagon durchzukämpfen. Leider können wir uns manchmal nicht zu ihnen setzen, da der Platz an ihrer Seite schon besetzt ist. Macht nichts, so ist die Reise: voll von Herausforderungen, Träumen, Fantasien, Hoffnungen und Abschieden....aber ohne Rückkehr. Also, machen wir die Reise auf die bestmögliche Weise. Versuchen wir mit unseren Mitreisenden gut auszukommen, und suchen wir das Beste in jedem von ihnen...
Erinnern wir uns daran, dass in jedem Abschnitt der Strecke einer der Gefährten schwanken kann und möglicherweise unser Verständnis braucht. Auch wir werden öfter schwanken und es wird jemanden geben, der uns versteht. Das grosse Mysterium der Reise ist, dass wir nicht wissen, wann wir endgültig aussteigen werden und genausowenig wann unsere Mitreisenden aussteigen werden, nicht einmal der, der gleich neben uns sitzt. Ich glaube, ich werde wehmütig sein, wenn ich aus dem Zug für immer aussteige..... Ja, das glaube ich. Die Trennung von einigen Freunden, die ich während der Reise traf, wird schmerzhaft sein. Meine Liebsten allein zu lassen, wird sehr traurig sein. Aber ich habe die Hoffnung, dass irgendwann der Zentralbahnhof kommt, und ich habe das Gefühl, sie ankommen zu sehen, mit Gepäck, das sie beim Einsteigen noch nicht hatten. Was mich glücklich machen wird, ist der Gedanke, dass ich mitgeholfen habe ihr Gepäck zu vermehren und wertvoller zu machen. Ihr meine Freunde, schauen wir darauf, dass wir eine gute Reise haben und dass sich am Ende die Mühe gelohnt hat. Versuchen wir, dass wir beim Aussteigen einen leeren Sitz zurücklassen, der Sehnsucht und schöne Erinnerungen bei den Weiterreisenden hinterlässt. Denen, die Teil meines Zuges sind, wünsche ich Gute Reise !
Wie konntest Du nur ?


Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund. Immer, wenn ich böse war, erhobst Du Deinen Zeigefinger und fragtest mich "Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen. Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff. Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte schöner nicht sein. Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete.
Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen. Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest.
Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" - trotzdem hiess ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr. Ich war glücklich weil Du glücklich warst. Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber. Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern. Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte.
Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe".
Als sie aber grösser waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase. Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre. Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt.
Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hattest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich. In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt. Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir ein Dorn im Auge.
Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind. Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie.
Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiss, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden". Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet auch mit "Stammbaum".
Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!" Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben. Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen. Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden. Sie schüttelten den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?"
Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht. Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren. Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du - dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei ...oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte.
Als ich einsah, dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete. Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum. Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung. Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung. Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen.
Meiner Natur gemäss war ich aber eher um sie besorgt. Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte. Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss. Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte.
Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein. Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?"
Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so Leid". Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich allein gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort.
Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr gegolten hatte.
Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte. Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten.
Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.
Engel...


Einmal sagte ein Freund zu mir: "Pass auf, dass Du dich nie in einen Engel verliebst" Ich musste schmunzeln, denn ich dachte an fabelhafte Wesen mit langen silbernen Haaren und Flügeln. Aber dann merkte ich, dass es ihm ernst war. "Engel sind äusserlich nicht zu erkennen." Sie sind fast wie Du und ich. Wenn Du sie beschreiben müsstest würdest du sagen, sie gehören zu der Sorte Mensch, die dir nie etwas Böses wollen und immer versuchen Dir eine Freude zu machen. Und genau das ist das Schlimme. Je näher Du sie kennenlernst, desto faszinierter bist Du von ihnen. Und irgendwann denkst Du, dass dieser Mensch vor Dir, derjenige sein könnte den Du immer gesucht hast. Vielleicht wirst Du es ihm sagen. Er verzichtet für Dich auf seine Unsterblichkeit, den Himmel... Kommt auf die Erde, zu Dir. Dann bekommst Du von ihm seine ganze Liebe. Die Liebe eines Engels. Zu viel Liebe? Du wirst ihn irgendwann verlassen. Dem Engel wird es weh tun, denn er wollte Dich niemals verletzen. Er wird stumme Tränen weinen und nur wenn Du ganz tief in seine Augen schaust kannst Du sehen wie er langsam selbst zerbricht. Denn er möchte Dir der Freund sein, der er am Anfang war. Und wenn Du dich von ihm verabschiedest bricht ihm das die Flügel. Er stirbt ganz langsam... an der Liebe...
Es war einmal ein Herz....


Das schlug 100.000 Mal am Tag - nicht mehr und nicht weniger. Es schlug nun einmal so viel, wie es nötig war. Das Herz war nicht von der gleichen feuerroten
Farbe wie all die anderen Herzen, sondern besass nur ein schwaches blassrosa. Das Schlimme war, dass es mit der Zeit immer mehr an Farbe verlor. Der
Lebenskampf hatte es geschwächt und obwohl es noch nicht sehr alt war, hatte es schon viele Falten. Eines Tages war es auf die Idee gekommen, einen
Verschlag um sich zu bauen. So suchte es den härtesten Stein für die Wände, das massivste Holz für das Dach und den stärksten Stahl für die Tür. Nur so, dachte das Herz, konnte niemand mehr hinein zu ihm und es verletzen - niemand konnte es mehr zerreissen. Endlich war es sicher. Nun sass das kleine Herz in seinem Verschlag, lugte hinaus durch die Fugen im Stein und hörte über sich das Knacken des Holzes. Es war ziemlich dunkel und kalt, dachte sich das Herz. Aber es schloss einfach die Augen und tat, was es immer tat - schlagen. 100.000 Mal am Tag. Vor lauter Langeweile zählte das Herz jeden Schlag mit, bis es ihm
überdrüssig wurde. So vergass es manchmal einen Schlag zu tun. Das Herz fragte sich, was es überhaupt noch für einen Sinn hatte zu schlagen. Was das Herz vergessen hatte, war, dass es sich zwar in Sicherheit vor allem Bösen befand, es niemand mehr verletzen und enttäuschen konnte, dass aber auch niemand mehr hineinkommen würde, der mit ihm lachen täte, jemand, der Purzelbäume mit ihm schlagen würde und es wärmte. Nach einiger Zeit fing das Herz an darüber nachzudenken. Es merkte, einen fatalen Fehler begangen zu haben. Mit aller Kraft versuchte es, die Stahltür aufzudrücken, doch sie war zu schwer, als dass sie sich bewegen liess. So begann es, gegen die Steinwände zu hämmern, doch ausser dass sich ein paar Brocken lösten, passierte nichts. Der Stein war zu gewaltig. Als es sich am Dach zu schaffen machte, zog es sich nur einen dicken Splitter zu. Panikartig sass das kleine Herz in seinem selbst gebauten Gefängnis und schlug mindestens doppelt so schnell wie sonst. Wie konnte es nur den Schlüssel in all seiner Trauer vergessen ? Das Herz verfluchte sich für sein elendes Selbstmitleid. Wie gern würde es sich jetzt den Stürmen des Lebens hingeben, sich vor Angst zusammenkrampfen, vor Freude hüpfen, wenn es nur könnte. Es schaute durch das Schlüsselloch hinaus in die Welt und sah die anderen Herzen. Einige waren blass, so wie es selbst. Sie schlichen durchs Leben, geduckt und allein. Andere wiederum sprangen in leuchtendem Rot - Hand in Hand über Stock und Stein, unerschrocken und gestärkt vom anderen. Doch was das Herz dann sah, liess es staunen und es konnte seine Tränen nicht verbergen. Da lagen Herzen im Staub mit Füssen getreten. Sie waren weiss und regten sich kaum noch. Sie schlugen vielleicht noch 20 Mal am Tag. Niemand kümmerte sich um sie, denn auch sie hatten einmal den Schlüssel ihres Gefängnisses so gut versteckt, dass niemand ihn fand. Da fühlte das Herz zum 1. Mal, dass es ihm noch gar nicht so schlecht ging. Noch war es rosa und noch fühlte es etwas. Es musste nur diesen Schlüssel finden zu seiner Stahltür. So machte es sich auf die Suche und probierte alle Schlüssel, die es finden konnte. Es probierte sogar Schlüssel, von denen es von Anfang an wusste, daß sie nicht passen würden. Nach einiger Zeit merkte das Herz, dass es wieder einen Fehler begangen hatte. Es war zu unüberlegt, zu krampfhaft an die Sache gegangen. Es verstand, dass man das Glück nicht erzwingen kann. Frei ist man nur, wenn man frei denken kann. Das Herz entspannte sich erst einmal und beschäftigte sich mit sich selbst. Es schaute in den Spiegel und begann sich so zu akzeptieren, wie es war, blassrosa und faltig. Es spürte eine wohlige Wärme in sich aufsteigen und eine innere Gewissheit, daß es auf seine Art und Weise wunderschön war. So fing es an zu singen, erst ganz leise und schnurrend und nach und immer lauter und heller, bis es ein klares Zwitschern war, wie das eines Vogels am Himmel. Durch den hellen Ton begann der Stein an einer Stelle nachzugeben. Mit riesengrossen Augen starrte das Herz auf diese Stelle, wo ein goldenes Schimmern zu erkennen war. Das Herz traute seinen Augen nicht. Da war der Schlüssel, den es damals mit in den Stein eingemauert hatte. Das hatte es durch all seinen Schmerz und Selbstmitleid vergessen und jetzt, wo es den Schlüssel in der Hand hielt, fiel es ihm wieder ein, wie es ihm vor all den Jahren so sicher erschien, ihn nie wieder zu brauchen. Langsam und voller Bedacht den Schlüssel nicht abzubrechen, steckte das Herz ihn ins Schloss. Mit lautem gequietsche schob sich die schwere Stahltür zur Seite. Das Herz machte einen Schritt nach draussen, schloss die Augen und atmete tief die frische Luft ein. Es streckte die Arme aus, drehte und wendete sich, blickte nach oben und nach unten und hörte gespannt mal hierhin und mal dorthin. Das Herz dachte, wie schön das Leben doch sei, machte einige Hüpfer und begab sich auf den Weg, um Freunde zu finden. Den 1. den es traf war eine lustiger Geselle, der das Leben zum Schiessen komisch fand und über 1000 Freunde hatte. Nachdem das Herz einige Zeit mit ihm verbrachte, mit ihm alle erdenklich lustigen Sachen anstellte, merkte das Herz, dass diesem "Freund" einiges fehlte ; - der Tiefgang. Was war das für ein Freund, mit dem es nur lachen, aber nie weinen konnte ? Mit dem es nur durch "Dick", aber nie durch "Dünn" gehen würde. So zog das Herz weiter, allein, aber reich an einer neuen Erfahrung. Bis es auf eine Gruppe anderer Herzen stiess. Es wurde direkt freundlich in ihre Mitte aufgenommen. Es war ein ganz neues Gefühl von Zugehörigkeit. Da war nun eine grosse Gruppe, wie eine Familie, die zusammen hielt, wo alle gleich waren. Jeden Morgen standen sie zusammen auf, tranken den gleichen Tee, assen vom gleichen Brot und gestalteten jeden Tag gleich. Das Herz war glücklich - eine Zeitlang, bis es spürte, dass auch dies nicht das richtige Ziel sein konnte, denn auch seinen vielen neuen Freunden fehlte etwas - die Individualität. In ihrer Mitte gab es keinen Platz für jemanden, der eigenständig war und sein Leben selbst planen wollte. Also löste das sich das Herz auch aus dieser Verbindung und genoss sein eigenes Leben. Es ging über 112 Wege, um 203 Kurven und 24 Berge und Täler, bis es an einem Haus ankam, das mit Stacheldraht umzogen war. Aus dem Schornstein quoll Rauch, das hiess, dass tatsächlich jemand in diesem Haus leben würde. In einem Haus, das nicht einmal Fenster hatte. Bei dem Anblick fiel dem Herz ein, wie es selbst einmal gelebt hatte. Wie sehr es damals gehofft hatte, dass jemand ihm helfen würde und doch niemand sein stummes Flehen erkannt hatte. Es wusste, daß es ihm aus eigener Kraft gelungen war und es war sehr stolz darauf. Aber wie konnte es diesem armen Herzen helfen, aus seinem Verlies zu kommen ? So besorgte sich das Herz eine Drahtschere und versuchte, den Stacheldraht zu durchtrennen. Aber nach einiger Zeit verliessen es die Kräfte. Auch dieses Herz hatte keine Mühe gespart, für sich den stärksten Stacheldraht zu finden. Obwohl das Herz das andere nicht sah und auch nicht hörte, sondern nur ahnen konnte, was das für ein Herz war, fühlte es eine starke Bindung zu ihm. So grub es ein Loch im Boden unter dem Stacheldraht, um dem anderen wenigstens nah zu sein. So stand es vor seinem Haus, vor der gleichen dicken Stahltür wie einst seiner und begann zu reden. Tagelang, nächtelang stand es einfach nur da und redete. Es erzählte von seinem Schicksal. Erzählte ihm, was ihm alles in seinem Leben widerfahren war und es hörte ein Schluchzen hinter der dicken Tür. Unermüdlich sprach das Herz weiter. Über die lustigen Sachen, die es mit seinem 1. "Freund" erlebt hatte, über die Wärme , die es bei seiner Familie erfahren hatte, und es vernahm ein leises Glucksen von innen. Erst leise, bis es immer lauter sich in ein gellendes Lachen verwandelte. Plötzlich sprach das Herz hinter der Stahltür zu ihm. Es wollte hinaus zu ihm und es sehen. Es wollte mit ihm gehen und mehr von dem Lachen und Weinen. Es wollte sich an seine Schulter lehnen, sich an es drücken und es nie wieder verlassen. Das Herz war glücklich, endlich so jemanden gefunden zu haben, aber was sollte es nur tun ? Wie auch bei ihm früher, wusste das andere Herz nicht mehr, wo es den Schlüssel versteckt hatte. So fasste das Herz den Entschluss loszugehen, um den Schlüssel zu suchen. Nur wo sollte es anfangen ? Es lief ziellos umher, suchte hinter Büschen, auf Bäumen, tauchte in Seen danach; fragte alle, die seinen Weg kreuzten, aber niemand wusste Rat und nirgends fand es den Schlüssel. So ging es mit schwerem Herzen zurück zu der kleinen Hütte. Krabbelte durch das Loch unterm Zaun, um die schlechte Nachricht zu überbringen. Doch zu seinem Erstaunen fand es die schwere Stahltür geöffnet. Wie war das möglich gewesen ? - dachte das Herz. Plötzlich hörte es eine freundliche und liebevolle Stimme hinter sich. Da sah es ein kleines blassrosa Herz stehen mit glühenden Wangen. " Ich habe hier auf dich gewartet " sagte das kleine Herz. " Ich habe erkannt, dass man es im Leben nur aus eigener Kraft schaffen kann, aus seinem Gefängnis zu entkommen. Doch so viel Kraft konnte ich nur durch dich erlangen. Durch deine Liebe zu mir und meiner Liebe zu dir habe ich den Schlüssel zur Tür meines Herzens gefunden, der mir gleichzeitig die Tür meines Verlieses öffnete" Sie nahmen sich an die Hand und gingen von nun an alle Wege gemeinsam, ihr Herzschlag im gleichen Rhythmus...bis an ihr Lebensende.
Manchmal ...


Manchmal wünsch ich mir, ich wäre die Sonne.
Ich würde Dein Herz erwärmen, wenn es nur Kälte spürt.
Meine Strahlen würden Deine Nase berühren...und Du würdest lächeln. Manchmal wünsch ich mir, ich wäre der Regen,
Ich würde Deine Sorgen wegspülen, wenn Du nicht weiter weisst.
Meine Tropfen würden Deine schlechten Gedanken aufnehmen und sie verwandeln in ein Meer voll Glück.

Manchmal wünsch ich mir, ich wäre der Wind.
Ich würde Deine Tränen trocknen, wenn Du traurig bist.
Ich würde Dir den Hauch von Freiheit bringen, wenn Du Dich eingesperrt fühlst.

Manchmal wünsch ich mir, ich wäre der Mond.
Ich würde Dir die Nacht erhellen, wenn Du Angst hast.
Ich würde Dir schöne Gedanken schicken, wenn Dich schlimme Träume quälen.

Manchmal wünsch ich mir, ich wäre ein Stern.
Ich würde immer über Dir strahlen, damit Du Dich geborgen fühlst.
In tiefster Dunkelheit wäre ich immer für Dich da.

Manchmal wünsch ich mir, ich wäre die Luft.
Ich würde Deine Haut streicheln, wenn niemand Deine Hand nimmt.
Düfte von Blumen und Bäumen würde ich zu Dir bringen.

Manchmal wünsche ich mir, ich wäre die Stimme Deines Herzens.
Du würdest Sie immer hören, wenn Sie Dir sagt wie sehr ich Dich liebe.
Du würdest nie an Ihr zweifeln, denn Sie wäre immer bei Dir.

Manchmal wünsch ich mir, Du würdest so fühlen….
Wie ich……

Die Geschichte vom rosa Tütchen

Als ich eines Tages wie immer traurig durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederliess, um über alles nachzudenken, was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein kleines fröhliches Mädchen zu mir. Sie spürte meine Stimmung und fragte: "Warum bist Du so traurig?" "Ach" sagte ich " ich habe keine Freunde im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiss nicht wie es weitergehen soll." "Hmm," meinte das Mädchen, "wo hast Du denn Dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal hineinschaun." "Was für ein rosa Tütchen?" fragte ich sie verwundert. "Ich habe nur ein schwarzes Tütchen". Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnete sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein. Ich bemerkte wie sie erschrak. "Es ist ja voller Albträume, voller Unglück und schlimmer Erlebnisse!" "Was soll ich machen?" Es ist eben so. Daran kann ich doch nichts ändern." "Hier nimm," meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. "Sieh hinein!" Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren war. "Wo ist Dein schwarzes Tütchen?" fragte ich neugierig. "Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum," sagte sie. "Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich soviel wie möglich hinein. Und immer wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein. Dann geht es mir sofort wieder besser. Wenn ich einmal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis oben hin und ich kann sagen, ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!" Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden. Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen. Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen zärtlichen Kuss den ich von dem Mädchen auf der Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm um´s Herz. Glücklich machte ich mich auf den Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Tütchens zu entledigen.

Vom kleinen Gänseblümchen!

Mitten in einem Park in einer grossen Stadt standen viele Blumen! Wunderschön anzuschauen! In einem Beet stand neben einer prächtigen grossen roten Rose ein kleines Gänseblümchen! Alle Leute die stehen blieben bewunderten die prächtige rote Rose! Für das kleine Gänseblümchen hatten sie höchstens abfällige Bemerkungen parat! Die Rose bildete sich viel darauf ein! Zum Gänseblümchen sagte sie: "Ich bin ja auch schön! Gross und prächtig! Mich wollen die Leute sehen! Du dagegen bist es nicht wert!" Das machte das Gänseblümchen sehr traurig! Den Nächsten der stehen blieb um die wunderschöne rote Rose zu bewundern fragte das kleine Gänseblümchen leise: "Warum bewunderst Du die rote Rose und wenn Du mich siehst verziehst du das Gesicht?" es bekam als Antwort: "Du bist so klein und winzig! Du bist es nicht wert!" Das kleine Gänseblümchen wurde noch kleiner und noch trauriger! es machte sich ganz klein! Damit wirklich keiner es mehr sehen konnte und es verletzen konnte! So verging lange Zeit wo alle immer stehen blieben um die wunderschöne rote Rose zu bewundern! Eines Tages hörte das kleine Gänseblümchen wie jemand sagte: "Du bist aber wunderschön! Warum machst Du Dich so klein?". Es wunderte sich, noch nie hatte jemand die wunderschöne rote Rose als klein bezeichnet! Es sah vorsichtig hoch! Und erschrak! Vor dem kleinen Gänseblümchen im Gras sass jemand, der sich zu ihm herunter gebeugt hatte und es ansah! Das verwirrte das kleine Gänseblümchen so sehr, das es Angst bekam! Und noch ein bisschen winziger wurde! Es fragte leise: "Wer bist Du?" Als Antwort bekam es zu hören: "Ich bin dein Freund wenn Du magst! Schon lange gehe ich ohne Freude durch diesen Park! Dich habe ich nie gesehen! Nun, da ich Dich entdeckt habe, habe ich einen Grund jeden Tag zu kommen! Und einen Grund mich sehr zu freuen!" Mit diesen Worten stand er auf und ging! Aber am nächsten Tag zur gleichen Zeit war er wieder da und freute sich über das Gänseblümchen! Das kleine Gänseblümchen sagte: "Aber Ich bin es doch nicht wert!" Sein neuer Freund sagte: "Doch kleines Gänseblümchen! Du bist sehr viel wert! Es kommt nicht auf die Grösse an! Nicht darauf wie Du aussiehst sondern darauf wer Du bist!". Mit diesen Worten stand er wieder auf und ging! Und in dem Herz des Gänseblümchens hatte sich ein winziger, noch sehr kleiner, Funke entzündet! Ein Funke der Hoffnung. Nun kam sein Freund jeden Tag, sie sprachen viel miteinander! Und unbemerkt wurde das Gänseblümchen jeden Tag ein Stück grösser und ein wenig weniger traurig! Der kleine Funke der Hoffnung wurde grösser und grösser! Und es kamen andere kleine Funken hinzu! In dem Moment noch sehr klein und leicht auszublasen! Aber sie wuchsen von Tag zu Tag mit! Das waren der Funke des Vertrauens und der Funke der Liebe! Der Gedanke, das es Nichts wert ist, sass tief! Aber langsam wurde er schwächer und schwächer! Dank seinem Freund, der Tag für Tag kam und Das Gänseblümchen einfach lieb hatte! So wie es war! Daraus entstand eine lange Freundschaft! Auch der Freund war mal traurig! Aber Inzwischen hatte das Gänseblümchen soviel Kraft, das es auch für ihn da sein konnte. Und das machte es noch glücklicher! Durch die Freundschaft, die Liebe, die Hoffnung, das Vertrauen, das Glück, wuchs und wuchs das kleine Gänseblümchen! Das es nichts wert sein sollte hatte es fast vergessen! Und wenn mal jemand kam, der über es herzog, machte es ihm nichts mehr aus! Es hatte ja seinen Freund! Als sein Freund eines Tages kam, stellten beide fest, das aus dem kleinen traurigen Gänseblümchen ein grosses glückliches Gänseblümchen geworden war! Die Liebe und Freundschaft hatten ihm den Mut, die Kraft und die Zuversicht gegeben an sich selber zu glauben! Glaub an Dich selbst ! Vertraue Dir! Du bist es Wert! Egal wie klein Du Dir vorkommst!




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