Der Rattenfänger von Hameln

Rattenfänger heisst der Mann,
der herrlich Flöte spielen kann.
Tausend Ratten oder mehr,
die lockt er spielend zu sich her.
Sie folgen ihm voll Unverstand
Direkt bis an den Weserstrand.

Er trällert einen Pfiff zum Schluss,
so kam es dann, wie’s kommen muss,
denn Leichtsinn, der tut selten gut,
sie gingen unter in der Flut.

Nur ein stocktauber Rattenmann,
der ja die Flöt nicht hören kann,
der hielt an einem Zweig sich fest
und trug die Mär zu seinem Nest.

Dort säugt sein Frauchen ihre Kleinen
Und konnte deshalb nicht erscheinen.
Die Rättin rief voll Energie
Wir brauchen eine Strategie !

Wir Ratten sind doch wohl nicht dumm,
den Spiess, den dreh’n wir einfach um.
Den Menschen geben wir den Rest,
wir krall’n uns in den Herzen fest !

Und so geschah es mit den Jahren,
wir alle haben dies erfahren.
Denn unser Wohnung bester Platz,
ist reserviert für einen Ratz.

Autor & Copyright: Dieter Martin
Die Ratte

Ich bin nur ein kleines Wesen in der Welt vieler Grossen.
Gutes hat man über mich selten gelesen mich immer wieder verstossen.

In ihrer Unwissenheit haben die Menschen mich angelockt
durch Abfall achtlos weggeschmissen in die Natur.
Für uns das grosse Fressen pur und hassen uns nun hierfür.

Aber alles hat mal ein gutes Ende viele Menschen öffnen uns ihre Hände
und seht nur was halten sie dort
"ein Rättchen - zart und behende"
sie kosen und lieben es immerfort

So hat dieser Hass einen Sinn bekommen hat vielen Menschen den Ekel genommen
wir sind nicht viel anders als Hund oder Katzen

"nur nennt man uns eben Ratzen".
Die Computerratte

Ein Mann der schafft von früh bis spät,
damit´s der Firma besser geht
am Bildschirm hängt gebannt sein Blick,
die Konkurenz sitzt im Genick
er prügelt fast die Tastatur -
wo bleibt denn unser Umsatz nur????
das Komma sitzt doch zu weit links,
wenn´s weiter recht´s ständ -
ja dann ging´s

er führt die Maus mit starrem Blick,
es tut sich nicht´s - trotz Doppelklick
dies kann auch fast nicht anders sein,
denn eine Maus ist vieeeeeeeeeeeeeeel zu klein!!!!!

wer den Erfolg schon vor ihm hatte,
verdankt ihn nämlich seiner

R  A  T  T  E

ich bin ganz sicher ohne Frage
verkünd`es beinah alle tage

Computer könnten besser sein,
setzt Frau statt Mäusen
Ratten ein.

Autor & Copyright: "Jocelyn" - Rattenclub-Forum
Der Rattenfänger
Johann Wolfgang von Goethe

Ich bin der wohlbekannte Sänger,
der vielgereiste Rattenfänger,
Den diese altberühmte Stadt
Gewiss besonders nötig hat.
Und wären's Ratten noch so viele,
Und wären Wiesel mit ihm Spiele:
Von allen säubr' ich diesen Ort,
Sie müssen miteinander fort.

Dann ist der gutgelaunte Sänger
Mitunter auch ein Kinderfänger,
Der selbst die wildesten bezwingt,
Wen er die goldnen Märchen singt.
Und wären Knaben noch so trutzig,
Und wären Mädchen noch so stutzig:
In meine Saiten greif ich ein,
Sie müssen alle hinterdrein.

Dann ist der vielgewandte Sänger
Gelegentlich ein Mädchenfänger,
In keinem Städtchen langt er an,
Wo er's nicht mancher angetan.
Und wären Mädchen noch so blöde,
Und wären Weiber noch so spröde:
Doch allen wird so liebebang
Bei Zaubersaiten und Gesang.

Die Wanderratten
Heinrich Heine

Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viel tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Sie klimmen wohl über die Höhen,
Sie schwimmen wohl durch die Seen;
Gar manche ersäuft oder bricht das Genick,
Die lebenden lassen die toten zurück.

Es haben diese Käuze
Gar fürchterliche Schnäuze;
Sie tragen die Köpfe geschoren egal,
Ganz radikal, ganz rattenkahl.

Die radikale Rotte
Weiss nichts von einem Gotte.
Sie lassen nicht taufen ihre Brut,
Die Weiber sind Gemeindegut.

Der sinnliche Rattenhaufen,
Er will nur fressen und saufen,
Er denkt nicht, während er säuft und frisst,
Dass unsre Seele unsterblich ist.

So eine wilde Ratze,
Die fürchtet nicht Hölle, nicht Katze;
Sie hat kein Gut, sie hat kein Geld
Und wünscht aufs neue zu teilen die Welt.

Die Wanderratten, o wehe!
Sie sind schon in der Nähe.
Sie rücken heran, ich höre schon
Ihr Pfeifen - die Zahl ist Legion.

O wehe! wir sind verloren,
Sie sind schon vor den Toren!
Der Bürgermeister und Senat,
Sie schütteln die Köpfe, und keiner weiss Rat.

Die Bürgerschaft greift zu den Waffen,
Die Glocken läuten die Pfaffen.
Gefährdet ist das Palladium
Des sittlichen Staats, das Eigentum.

Nicht Glockengeläute, nicht Pfaffengebete,
Nicht hochwohlweise Senatsdekrete,
Auch nicht Kanonen, viel Hundertpfünder,
Sie helfen Euch heute, Ihr lieben Kinder!

Heut helfen Euch nicht die Wortgespinste
Der abgelebten Redekünste.
Man fängt nicht Ratten mit Syllogismen,
Sie springen über die feinsten Sophismen.

Im hungrigen Magen Eingang finden
Nur Suppenlogik mit Knödelgründen,
Nur Argumente von Rinderbraten,
Begleitet mit Göttinger Wurst-Zitaten.

Ein schweigender Stockfisch, in Butter gesotten,
Behaget den radikalen Rotten
Viel besser als ein Mirabeau
Und alle Redner seit Cicero.

Nänie auf ein paar Nager
Yaak Karsunke

Selbst meine Freunde
verwenden ihren Namen als Schimpfwort,
Diese lausigen Ratten.

Die Unterwühler
die Fundamente-Zerfresser
die sich durchbeissen müssen.
Das subversive Gesindel,
das vernünftig von Bord geht,
bevor der Kahn absäuft.

Ach ihr lausigen Ratten...
Von der Pest auf die Strasse geschickt,
auf zierlichen Pfoten,
um da als erste zu sterben,
mit Blut an der Schnauze
und Todesschweiss-nassem Fell.

Ich wünschte, ich könnte euch retten...
Vor Krankheit, vor Ködern
und vor dem falschen Vergleich.
Aus der Zopfzeit

Heinrich Heine

Zu Kassel waren zwei Ratten,
Die nichts zu essen hatten.

Sie sahen sich lange hungrig an;
Die eine Ratte zu wispern begann:

»Ich weiß einen Topf mit Hirsebrei,
Doch leider steht eine Schildwach dabei;

Sie trägt kurfürstliche Uniform,
Und hat einen Zopf, der ist enorm;

Die Flinte ist geladen mit Schrot,
Und wer sich naht, den schießt sie tot!«

Die andere Ratte knistert
Mit ihren Zähnchen und wispert:

»Des Kurfürsten Durchlaucht sind gescheit
Er liebt die gute alte Zeit,

Die Zeit der alten Katten,
Die lange Zöpfe hatten.

Durch ihre Zöpfe die Katten
Wetteiferten mit den Ratten.

Der Zopf ist aber das Sinnbild nur
Des Schwanzes, den uns verlieh die Natur;

Wir auserwählten Geschöpfe,
Wir haben natürliche Zöpfe.

O Kurfürst, liebst du die Katten,
So liebst du auch die Ratten;

Gewiss für uns dein Herze klopft,
Da wir schon von der Natur bezopft.

O gib, du edler Philozopf,
O gib uns frei den Hirsetopf,

O gib uns frei den Topf mit Brei,
Und löse ab die Schildwach dabei!

Für solche Huld, für solchen Brei,
Wir wollen dir dienen mit Lieb und Treu.

Und stirbst du einst, auf deinem Grab
Wir schneiden uns traurig die Schwänze ab,

Und flechten sie um dein Haupt als Kranz;
Dein Lorbeer sei ein Rattenschwanz!«



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